Annäherung an David 3

15 x 15 cm, Acryl auf Pizzakarton

Am Wochenende habe ich mich wieder einer Davidinterpretation gewidmet und versucht sein Geheimnis zu verstehen. Prof. Dr. M. Bockemühl hatte in seinem Artikel (mein Beitrag darüber, über diesen internen Link) empfohlen, sich ein Kunstwerk rein über das Sehen, das längere ansehen zu erschliessen. Wie kann man das besser, als über das Malen. Ganz frei kann ich es nicht, da ich zumindest weiss, dass es in der Geschichte von David und Goliath um einen Kampf gegenüber eines Schwächeren zu einem Stärkeren/Mächtigeren geht. Während des Malprozesses glaubte ich Angst zu sehen. Wer würde da als vermeintlich Unterlegener keine Angst haben. Aber das Gegenüber durfte diese Angst nicht bemerken, daher ist sie nicht offensichtlich. Ein uraltes Thema; der Kampf des Schwächeren gegen den Stärkeren, der enormen Mut und Verzweiflung voraussetzt. Aber genau diese Verbindung von Mut und Verzweiflung läst den vermeintlich Schwächeren, den Kampf gegen den Unterdrücker/Diktator, mit unterschiedlichen Mitteln/Strategien, häufiger gewinnen.

Annäherung an David 2

15 x 15 cm, Acryl auf Pizzakarton

Bei meiner 2. Davidinterpretation habe ich eine besondere Sorgfalt auf den Ausdruck der Augen gelegt, die einen sehr direkt ansehen. Ich habe mitlerweile 6 sehr gute Fotos von David, die es mir gestatten verschiedene Blickwinkel einnehmen zu können. Danke liebe Barbara, dass ich auch  Deine Fotos verwenden darf die Du in Florenz gemacht hast! Der schöne David wird mich wohl noch öfter mit seinem Antlitz erfreuen und herausfordern. Beim Malen bin ich  voller Bewunderung für den grossen Meister Michelangelo, der in 2  einhalb Jahren diese fast 5 Meter hohe Statue aus einem einzigen Marmorblock befreit hat. Ich halte Zwiesprache mit ihm und er blickt milde auf mich und läst mich gewähren :-)

Annäherung an David

Davidinterpretation, 15 x 15 cm, Acryl auf Pizzakarton

In der Zeitschrift Kunst & Material März/April `10 habe ich einen interessanten Artikel über den Kunstwissenschaftler Prof. Dr. M. Bockemühl (1943 – 2009) von D. Hornemann v. Laer gelesen. Es ging um die Wahrnehmung von Kunst, um Sehen lernen. Sich der eigenen Wahrnehmung vorbehaltlos anzuvertrauen und auf alle vorgedachten Sicherheiten zu verzichten. Studenten sollten sich die berühmte Skulptur des David von Michelangelo, nicht die üblichen drei Minuten, sondern drei Stunden, ansehen. Sie sollten sich auf dass konzentrieren, was sich im Anschauen unmittelbar zeigt. Die Wahrnehmung, neben dem Denken, als Erkenntnisquelle nutzen lernen, ist das Anliegen von M. Bockemühl, so habe ich das jedenfalls verstanden. Er hat den Grundstein gelegt für eine Wahrnehmungswissenschaft. Das gefällt mir sehr, weil diese Vorgehensweise hilft, vorurteilsfreier die Dinge betrachten zu können. Einen ähnlichen Prozzess erlebe ich in der gegenständlichen Malerei. Man konzentriert sich auf dass, was man sieht,  schaltet das Denken weitestgehend aus und befindet sich in einem vorurteilsfreiem, wunderbarem Zustand. Mehr über Michael Bockemühl auf Wikipedia.